Unter den Gegenstandsbereichen der so genannten angewandten Psychoanalyse, die auch eine „Psychoanalyse von Sachen“ (J.-P. Sartre) mit einschließt, nimmt die Auseinandersetzung mit Werken der bildenden Kunst eine privilegierte Position ein. Denn ausgehend von persönlichen Neigungen und Interessen hat Freud schon sehr früh Beiträge zu Fragen des Kunstschaffens und der Rezeption künstlerischer Produktionen in sein Lehrgebäude eingeführt, in welchem sie auch die Weiterentwicklung seiner Theoriearbeit im klinischen Feld stets begleitet und befruchtet haben. Mit dem Aufkommen neuer bzw. erweiterter Denkrichtungen und unter einer zunehmenden Interdisziplinarität sind kunst- und kulturtheoretische Arbeiten mittlerweile zu einem festen Bestandteil der psychoanalytischen Reflexionstätigkeit geworden.
Unter der Begrifflichkeit einer „(Gruppen-) Psychoanalyse im Museum“ soll das Konzept einer psychoanalytisch orientierten Werkbetrachtung vorgestellt werden, welches über einen Beitrag zur Museumspädagogik hinausreichend sowohl Ansätze zu einer spezifischen psychoanalytischen Selbsterfahrung liefert als auch das Verständnis für den Einfluss des Bildhaften auf die Konstituierung des menschlichen Subjekts und auf die normalen und pathologischen Bildungen des Unbewussten fördert. Erfahrungsberichte aus entsprechenden Sitzungen sollen die Darstellung im Vortrag auch anschaulich bereichern.
Moderation: Alexander Parte
Donnerstag, 27. Mai 2010, 20 Uhr, c.t.
Salzgries 16/3a, 1010 - Wien