SOMMER 2010
auseinander gehen – Anmerkungen zum Beenden von Psychoanalysen
Beate Hofstadler
Was das Enden und Beenden psychoanalytischer Behandlungen betrifft, gibt es unterschiedliche Positionen seitens der PsychoanalytikerInnen. Diese werden zum einen anhand der psychoanalytischen Fachliteratur gestreift, wo die Frage der Beendigung üblicherweise im Kontext von Vor-tellungen über Behandlungsziele diskutiert wird, die sich schulenspezifisch unterscheiden. Zum anderen wird die Referentin aus Gesprächen erzählen, die sie mit einigen praktizierenden Psy-choanalytikerInnen aus dem deutschsprachigen Raum zum Beenden geführt hat: Wann, wie und wodurch kann ein psychoanalytischer Prozess zu Ende gehen?
Moderation: Wolfgang Lassmann
Donnerstag, 25. März 2010, 20 Uhr, c.t. 20 Uhr, c.t.
Krypta und Wurzel – Verortungen des Geschlechts in der Psychoanalyse
Eva Laquièze-Waniek
Ausgehend von der Frage, wie Geschlecht heute bestimmt werden kann, soll im Vortrag das Verhältnis von psychoanalytischer Theorie (S. Freud, J. Lacan, J. Kristeva u. a.) und der gegenwärtigen kulturwissenschaftlichen Geschlechterforschung / Gender Studies (J. Butler) beleuchtet werden. An Hand einiger neuralgischer Punkte (wie z. B. Penisneid, Phallusstreit oder Homosexualitätsver-bot), die allesamt die geschlechtliche Identität, das Begehren, die Libido oder das sexuelle Genießen betreffen, soll aufgezeigt werden, inwiefern die Psychoanalyse offene Fragestellungen der Gender Studies klären kann und umgekehrt, wo die Psychoanalyse ihrerseits von den Gender Studies profitieren könnte, insbesondere was den Umgang mit den ideologischen Implikationen ihres Archivs anbelangt. Die Figuren der diskursiven Verwurzelung sowie der Krypta, die unbetrauerte Identifikationen im Sinne eines „falschen Unbewussten“ umfasst (Torok/Abraham, Kriste-va), sollen dabei helfen, unterschiedliche oder auch gegensätzliche Strömungen und Verdrängungen der Argumentation innerhalb und auch zwischen den einzelnen Disziplinen sichtbar zu machen.
Moderation: Veronika Waitz
Donnerstag, 06. Mai 2010, 20 Uhr, c.t.
„Zum Verstehen eines Bildes braucht es einen Stuhl“ (Paul Klee) - Psychoanalytisch orientierte Werkbetrachutung im Bereich der bildenden Kunst
August Ruhs
Unter den Gegenstandsbereichen der so genannten angewandten Psychoanalyse, die auch eine „Psychoanalyse von Sachen“ (J.-P. Sartre) mit einschließt, nimmt die Auseinandersetzung mit Werken der bildenden Kunst eine privilegierte Position ein. Denn ausgehend von persönlichen Neigungen und Interessen hat Freud schon sehr früh Beiträge zu Fragen des Kunstschaffens und der Rezeption künstlerischer Produktionen in sein Lehrgebäude eingeführt, in welchem sie auch die Weiterentwicklung seiner Theoriearbeit im klinischen Feld stets begleitet und befruchtet haben. Mit dem Aufkommen neuer bzw. erweiterter Denkrichtungen und unter einer zunehmenden Interdisziplinarität sind kunst- und kulturtheoretische Arbeiten mittlerweile zu einem festen Bestandteil der psychoanalytischen Reflexionstätigkeit geworden. Unter der Begrifflichkeit einer „(Gruppen-) Psychoanalyse im Museum“ soll das Konzept einer psychoanalytisch orientierten Werkbetrachtung vorgestellt werden, welches über einen Beitrag zur Museumspädagogik hinausreichend sowohl Ansätze zu einer spezifischen psychoanalytischen Selbsterfahrung liefert als auch das Verständnis für den Einfluss des Bildhaften auf die Konstituierung des menschlichen Subjekts und auf die normalen und pathologischen Bildungen des Unbewussten fördert. Erfahrungsberichte aus entsprechenden Sitzungen sollen die Darstellung im Vortrag auch anschaulich bereichern.
Moderation: Alexander Parte
Donnerstag, 27. Mai 2010, 20 Uhr, c.t.
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